Protokoll zu den Arbeitskreissitzungen im August 2008

Gemeinde Barum – Gemeinde Marschacht

Dorferneuerung Barum, Horburg, St. Dionys und Oldershausen

Protokoll zur Arbeitskreissitzung Horburg

06.08.2008; 19.00 – 21.00 Uhr

Teilnehmer: Mitglieder des Arbeitskreises, Herr Warnecke (Planungsbüro Warnecke)

Barum – St. Dionys

1. Kostenschätzung für die öffentliche Maßnahme Erneuerung vom Straßenraum Zur Horburg
Auf Basis der gemeinsam abgestimmten Planung ergibt eine vorläufige grobe Kostenschätzung für sämtliche absehbar anfallenden Kosten einen Gesamtbruttobetrag von ca. 1.280.000 Mio. Euro. Im Rahmen der Dorferneuerung können die förderfähigen Nettokosten (Bauleistungen ohne Kanalbau, aber mit Planung) nach heutigem Stand mit 65 % gefördert werden. Damit ergibt sich nach der vorliegenden Berechnung eine Förderung von rd. 680.000 Euro bzw. ein Restbetrag von rd. 600.000 Euro, der gemäß vorhandener Straßenausbaubeitragssatzung von der Gemeinde und den Anliegern zu tragen wäre.

Welche Anteile sich für Gemeinde einerseits und Anlieger andererseits ergeben, steht noch nicht eindeutig fest und wird von der Anteiligkeit des Durchgangsverkehrs abhängig zu machen sein. Eine Einstufung als Anlieger-straße würde einen Anteil von 75 % der verbleibenden Kosten für die Anlieger nach sich ziehen, während die Einstufung als Erschließungsstraße mit Durchgangsverkehr die Hauptlast bei der Gemeinde mit 60 % der verbleibenden Gesamtkosten bedeuten würde.

Unter Berücksichtigung der Größe der Beitragsfläche von 200.000 m§² lassen sich entsprechend der beiden Ansätze Anliegerbeiträge von ca. 1,2 bis 2,25 Euro / m§² hochrechnen. Sämtliche Anwesenden sind sich über die begrenzte Aussagekraft dieser Zahlen bewusst: Erstens ergibt sich eine sicherere Schätzung der Gesamtkosten erst nach Durchführung der Detailplanung; und zweitens fließen in die Errechnung der Belastungen nicht nur die Größen der anliegenden Grundstücke, sondern auch weitere Kennwerte wie Flächennutzung und Geschossigkeit mit ein.

Im Rahmen einer Angebotseinholung soll nun die Auswahl des zu beauftragenden Ingenieurbüros erfolgen. Anschließend könnte sofort die Antragstellung erfolgen, die bis Anfang 2009 bei der Förderbehörde eingereicht werden muss, um bereits im folgenden Jahr die Maßnahme realisieren zu können!

2. Ansätze für private Maßnahmen in Horburg
Anhand von Photos wurden notwendige Erneuerungen und mögliche Neugestaltungen beispielhaft besprochen. Als förderfähig gelten sämtliche Gebäude, die entweder aktiv landwirtschaftlich genutzt werden oder die früher eine landwirtschaftliche Ausrichtung besaßen. Damit können auch die bis in die 50er Jahre entstandenen Siedler-stellen gefördert werden, die einst als kleinste auf die landwirtschaftliche Selbstversorgung ausgerichtete Be-triebseinheiten mit unterscheidbaren Wohn- und Wirtschaftsbereichen errichtet wurden.

Im Mittelpunkt der Förderung stehen die landwirtschaftlichen genutzten Gebäude und die den alten Ortskern prägenden Gebäude, die bis in das 19. Jh. in traditioneller Fachwerkstruktur mit Ziegelgefachen oder etwa ab der vorigen Jahrhundertwende in massiver Ziegelbauweise errichtet wurden.

Grundsätzlich ließen sich an sämtlichen Altgebäuden Maßnahmen zur Erhaltung des alten Gebäudecharakters oder aber zum Rückbau von mittlerweile vorgenommenen baulichen Veränderungen durchführen. Die Erneue-rung soll sich grundsätzlich am alten Erscheinungsbild orientieren, wobei bezüglich Wärmedämmung und Wohnqualität selbstverständlich eine Anpassung an die heute zeitgemäßen Notwendigkeiten bzw. Ansprüche stattfinden muss.

Private Maßnahmen werden pauschal mit 30 % der zuwendungsfähigen Kosten bezuschusst und beziehen sich quasi auf die von Außen sichtbaren Bereiche an Gebäuden: Einfriedung, Begrünung, Fassade, Fenster und Türen, Dach, Dachentwässerung, Schornsteinkopf und Gauben. Innen können sich Maßnahmen auf konstruktiv notwendige Erneuerungen beziehen (z.B. Deckenbalken, Stützbalken usw.) und auf die Dämmebene incl. innenseitiger Wandabschluss (z.B. Fermacellplatten oder Innenputz).

Grundsätzlich können für jedes einzelne Gebäude max. 25.000 Euro als Fördersumme beantragt werden; das entspricht einer Gesamtinvestition von etwa 84.000 Euro an förderfähigen Kosten. Das Beantragen der Förde-rung kann entweder in einem gebündelten Antrag oder aber in mehreren aufeinanderfolgenden Anträgen erfolgen, um die Maßnahmen entsprechend den eigenen zur Verfügung stehenden Mittel zu realisieren. Dabei ist aber zu beachten, dass jeweils eine Mindestfördersumme von 2.500 Euro beantragt wird, was wiederum eine Investition von mindestens 8.400 Euro an förderfähigen Kosten voraussetzt. Die Realisierung einer Maßnahme kann übrigens auch in (teilweiser) Eigenleistung erfolgen, wobei aber lediglich die Material-, Entsorgungs- und evtl. anfallende Handwerkerleistungen förderfähig sind. Lediglich bei Vereinen, deren Gemeinnützigkeit vom Finanzamt nachgewiesen wird, besteht die Möglichkeit, neben den Materialkosten die eigene Arbeitsleistung zu 50 % der Nettohandwerkerlohnkosten mit in Beantragung (für eine Förderung von 30 %) einzubeziehen.

Im Dorferneuerungsplan werden grundsätzliche Gestaltungsmaßgaben zusammengefasst dargestellt. So sollen im Dach naturrote Tonziegel (Hohlpfanne oder Hohlfalzziegel) eingesetzt werden. Die Dachüberstände (i.d.R. max. 30 cm) sowie die Dachabschlüsse in Holz (Zahnleiste oder Stirn- und Deckbrett sowie i.d.R. Traufschalung) sind dabei genauso zu beachten wie mögliche Ausbildungen von Gauben, die mit Fensterhöhen nicht über 1,2 m bei reiner Belichtungsfunktion meistens als steil angezogene Schleppdachgauben ausgebildet werden sollen. Dachflächenfenster sind nicht förderungsfähig und werden lediglich dort geduldet, wo sie bereits vorhanden sind!

Lediglich bei Gebäuden, die nachweislich keine Tonziegel aufwiesen (z.B. Reet- oder Schiefereindeckungen, anthrazitfarbene Betonsteine oder Sonderformate wie Doppelmuldenfalzziegel) oder die aus statischen Gründen keine schweren Dacheindeckungen zu tragen vermögen, können alternative Eindeckungen zum Einsatz kommen. Insbesondere bei flach geneigten landwirtschaftlichen Gebäuden stellt sich oft die Frage nach entsprechenden Möglichkeiten: Hier können gewellte Faserzementplatten (5-er Welle), Bitumenschweißbahnen, Stehfalzbleche oder Stahlblechprofile in Form der bereits seit etwa 120 Jahren im ländlichen Raum eingesetzten Original Siegener Pfannenbleche sowie ihre modernen Interpretationen als Fischer Pfannenbleche sowie die Produkte der Hersteller Laukien 45-333, Siegmetall 40-333, Arcelor 39-333 oder DS-Pfannenprofil jeweils in der Farbe rotbraun (RAL 8012) genannt werden.

Die in Horburg vorhandenen Putz- , Fachwerk- oder Ziegelfassaden sollen aufgrund ihrer Zierelemente in ihrem Erscheinungsbild erhalten bleiben. Entsprechende Maßnahmen zur Erneuerung bzw. zum Austausch von man-chen Bereichen sind förderfähig.

In diesem Zusammenhang haben auch die Fenster besondere Bedeutung, denn sie gliedern die Fassade und prä-gen damit das Gebäudebild wesentlich. Entsprechend der historischen Gestaltung sind die Fenster aus Holz mit konstruktiver Sprossung vorzusehen. Normalerweise besitzen die Fenster dabei einen weißen Anstrich.

Während die Gebäudebilder charakteristischerweise in ihrer Anordnung, ihrer Form und ihrem Materialeinsatz ähnliche Grundzüge aufweisen, wird die besondere Darstellung des Gebäudes und damit der Bewohner bzw. Eigentümer über die Hauseingangssituation erreicht. Hier wird eine repräsentative Gestaltung z.B. durch ein kleines Vordach über der Eingangstür sowie eine detailliert ausgebildete Haustür als bewusst eigenständiges, markantes Merkmal erreicht.

Weiterhin sind die Grundstückseinfriedungen mit entsprechenden Toren bezuschussungsfähig. Metall- oder schmiedeeiserne Zäune, Staketzäune und massive Natur- oder Ziegelsteinmauern sowie lebende Einfriedungen (Liguster- oder Buchenhecken) sind im Sinne der Dorferneuerung förderfähig.

Problematisch wird allerdings der verbleibende hohe eigene Anteil von 70 % gesehen, der wohl nur von wenigen Antragstellern aufgebracht werden kann. Festzuhalten bleibt, dass umfangreiche Maßnahmen in mehrere kleine-re Bauabschnitte unterteilt werden können, die dann in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren beantragt bzw. ausgeführt werden könnten. Die allgemeine Information ersetzt aber keinesfalls die detaillierte Beratung, die im Zuge des Antragsverfahrens möglichst am Objekt angeboten bzw. durchgeführt wird. Der Beginn der Antragstellung soll gleich zu Beginn des Jahres 2009 erfolgen.

Private Maßnahmen im Rahmen der Dorferneuerung - Was muss beachtet werden ?

- Das Dorferneuerungsprogramm gewährt für private Antragsteller eine nicht rückzahlbare Zuwendung von 30 % der förderungsfähigen Kosten, maximal jedoch 25.000 Euro für ein Objekt.
- Die Genehmigung in der Dorferneuerung ersetzt keine anderen Genehmigungen, z. B. Baugenehmigung oder denkmalrechtliche Genehmigung. Diese sind wie sonst üblich zu beantragen.
- Der Zeitraum der Förderung beträgt etwa 5 Jahre. Es können also in jedem Jahr Anträge gestellt werden, d.h. die beabsichtigten Maßnahmen können auch finanziell aufgeteilt werden. Normalerweise ist eine ge-nehmigte Maßnahme im betreffenden Jahr auch abzuarbeiten !
- Eigene Arbeitsleistungen werden nicht gefördert. Ausgenommen sind Vereine, deren Gemeinnützigkeit nachgewiesen wird.
- Das Angebot der Dorferneuerung ist freiwillig. Ein Rechtsanspruch besteht nicht.

Ansprechpartner zur Dorferneuerung:

Gemeinde Barum / Bürgermeister - Herr Meyn (Tel. 04133 / 909949)
Planungsbüro Warnecke / Bad Bevensen - Herr Warnecke (Tel. 05821 / 992500)
Amt für Landentwicklung Lüneburg - Frau Harms, Herr Henschel (Tel. 04131 / 8545-212 o. 243)

Beispiele für mögliche private Maßnahmen

Anpassung landwirtschaftlicher Anwesen an die Erfordernisse zeitgemäßen Arbeitens und Wohnens:
- Modernisierung und Instandsetzung von landwirtschaftlich genutzten Gebäuden; Umbau landwirtschaftlich genutzter Betriebsgebäude;
- Ausbau bislang ungenutzter Gebäude, z.B. für Wohnzwecke.

Maßnahmen zur Erhaltung und Gestaltung des dörflichen Charakters - Landwirtschaftliche und ehemals landwirtschaftliche Bausubstanz mit ortsbildprägendem Charakter, z.B.:
- Instandsetzung und gestalterische Verbesserung an Gebäuden;
- Dacherneuerung, Erneuerung der Dacheindeckung;
- Anpassung / Rückführung der veränderten Bauform;
- Beseitigung baulicher (auch konstruktiver) Missstände;
- Abhilfe oder Rückführung baulich 'moderner' Details, (z.B. zugemauerte Scheunentore oder unmaßstäbliche Türen, Fenster, Windfänge, Glasbausteine etc.);
- Fassadenarbeiten an Sichtmauerwerk und Putzarbeiten;
- Fachwerkerneuerung, -renovierung; Schutzanstrich der Fachwerkhölzer;
- Fachwerkfreilegung (Beseitigung ortsuntypischer oder schädigender Verkleidungen);
- Wiederherstellung charakteristischer oder notwendiger Verkleidungen;
- Farbgestaltung;
- Auswechseln von konstruktiven Teilen;
- Erneuerung / Ausbesserung der Ausfachungen;
- Erneuerung der Tore, Türen und Fenster.

Maßnahmen zur Gestaltung von Freiräumen und Außenanlagen, z.B.:
- Erhaltung alter Einfriedungen aus Feld- oder Bruchsteinen sowie der Torpfeiler und materialtypische Renovierung oder Ersatz untypischer Einfriedungen, wie Betonmauern;
- Restaurierung und Anstrich kunstvoller Eisen- und Holzzäune.

 

Ablauf der Förderung

  1. Vorüberlegungen. Sofern Erneuerungen oder Umgestaltungen geplant sind, können - unverbindlich - formlose Anträge gestellt werden oder zunächst eine kurze Beratung durch das Pla-nungsbüro hinsichtlich der Förderfähigkeit in Anspruch genommen werden.
  2. Anmeldung zur Ortsbegehung. Die Vorhaben werden auf einem vorgefertigten Formular geschildert und seitens des Planungsbüros mit einer Kostenschätzung versehen. Anträge können im Gemeindebüro oder beim Planer gestellt bzw. abgegeben werden.
  3. Auswahl der Maßnahmen. Zusammen mit dem Planungsbüro begutachtet das Amt für Landentwicklung die Anfragen und trifft die Auswahl, welche Maßnahmen zur Förderung kommen sollen. Ein Begehungsprotokoll wird angefertigt, woraus wichtige Maßgaben für die weitere Beantragung hervorgehen.
  4. Antragstellung. Auf Grundlage des Begehungsprotokolles und eines möglichen Beratungsgespräches mit dem Planungsbüro müssen detaillierte Kostenvoranschläge eingeholt werden, um einen formalen Antrag zu stellen. Wichtig: Kostenvoranschläge sind kostenfrei! Es dürfen keine Vorverträge abgeschlossen werden! Antragsformulare sind in der Gemeinde erhältlich. Der Planer ist bei der Ausfüllung des Förderantrages behilflich. Die Anträge müssen in der Gemeinde abgegeben werden.
  5. Zuwendungsbescheid. Das Amt für Landentwicklung prüft / bewilligt durch schriftlichen Bescheid die Zuwendung. Erst wenn der Zuwendungsbescheid vorliegt, darf der Auftrag erteilt und mit der Maßnahme begonnen werden! Das gilt ebenfalls für die Materialbestellung und den Einkauf! 
  6. Maßnahmenausführung. Bei der Ausführung sind die im Zuwendungsbescheid bzw. in der Stellungnahme des Planungsbüros enthaltenen Fristen und Auflagen zu beachten. Sofern anders verfahren wird, kann die Zuwendung zurückgezogen werden!
  7. Maßnahmenabrechnung. Nach vollständiger Fertigstellung erfolgt die Abrechnung auf dem dafür vorgesehenen Formular mit den Rechnungen und Quittungen.
  8. Auszahlung der Fördersumme. Nach einer Besichtigung der fertiggestellten Maßnahme durch den Mitarbeiter vom Amt für Landentwicklung erfolgt die Auszahlung der Zuwendung und die Rückgabe der Rechnungsbelege.

Die nächsten Treffen der Arbeitskreise finden statt am:

Arbeitskreis Barum und St. Dionys
Im August findet kein Arbeitskreis statt!
Mittwoch, 03.09.2008, um 19.30 Uhr in der Gaststätte Flindt

Arbeitskreis Horburg
Donnerstag, 04.09.2009, um 19.00 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Horburg

Themen:
Barum und St. Dionys: Landschaftsraum, Grün im Dorf, Vorschläge zur Grüngestaltung

Horburg: Landschaftsraum, Grün im Dorf, Vorschläge zur Grüngestaltung

 

Bad Bevensen, 27.08.2008
Volker Warnecke