Protokoll zur Ortsbegehung in Barum, Horburg und St. Dionys

Gemeinde Barum – Gemeinde Marschacht

Dorferneuerung Barum, Horburg, St. Dionys und Oldershausen

Protokoll zur Ortsbegehung in Barum, Horburg und St. Dionys
02.02.2008; 9.00 – 14.00 Uhr

Teilnehmer: Mitglieder des Arbeitskreises, Herr Bgm. Meyn, Herr Schröder und Herr Warnecke (Planungsbüro Warnecke)

Im Mittelpunkt der Ortsbegehungen standen die öffentlichen Bereiche, die im Rahmen der Dorferneuerung beplant und möglicherweise erneuert bzw. umgestaltet werden können. In den folgenden Sitzungen der Arbeitskreise Barum mit St. Dionys und Horburg sollen diese Bereiche besprochen werden: Nach einer Bestandsaufnahme werden dazu seitens des Planungsbüros Konzepte als Diskussionsgrundlage vorgestellt.

Die Ergebnisse der Arbeitskreissitzungen fließen in den Dorferneuerungsplan ein, der als Grundlage für die Förderung einzelner Maßnahmen zu erstellen ist. Ziel ist es, die Plangenehmigung vom Amt für Landentwicklung im Frühjahr 2009 zu erhalten. Danach können von den Gemeinden für einzelne Maßnahmen Anträge zur Förderung gestellt werden. Nur im Plan angeführte Maßnahmen können dabei berücksichtigt werden; deshalb ist es wichtig, dass sämtliche möglichen Ansätze für Veränderungen und Neugestaltungen bereits im Plan genannt werden!

Mit Blick auf die zahlreichen Bereiche, die bereits im Rahmen der Ortsbegehungen angesprochen wurden, wird deutlich, dass nicht sämtliche Wünsche innerhalb der etwa 6-jährigen Förderperiode (voraussichtlich bis 2013) erfüllt werden können. Wenn auch die Arbeitskreise eine Reihenfolge zur Umsetzung der Maßnahmen empfehlen wird, so liegt es im Ermessen und vor allem am Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der Gemeinden Barum und Marschacht, über die Wichtigkeit der einzelnen Maßnahmen zu entscheiden. Ab 2009 wird der Anteil der Fördergelder, die sich aus Landesmitteln und vor allem aus Mitteln der EU zusammensetzen, für die Gemeinden etwa 55 - 65 % der (förderfähigen) Nettokosten betragen.

Sofern Beantragungen kommunale Straßenräume betreffen, werden die Anlieger über die Straßenausbaubeitragssatzung beteiligt. Dabei gilt aber, dass von den entstehenden Gesamtkosten zunächst die Fördergelder abgezogen werden und die verbleibende Summe im Sinne der Satzung zwischen Gemeinde und Anliegern aufzuteilen ist. Anders als bei anderen Förderungen profitiert hier also jeder Beteiligte von den Zuschüssen!

Ausgenommen von einer Beteiligung der Anlieger sind in diesem Zusammenhang übrigens die Fahrbahnen von den Kreisstraße K 1 bzw. K 12 in Barum und St. Dionys. Auch bei möglichen Sanierungen oder Erweiterungen von kommunalen Gebäuden (z.B. Feuerwehrgebäude) oder Anlagen (z.B. Spiel- und Sportplatz Barum; Denkmal Horburg) werden keine Kostenanteile umgelegt.

Maßnahmen an privater Bausubstanz stehen im Blickpunkt der Dorferneuerung, weil jedes einzelne Gebäude das Ortsbild entscheidend mit prägt. Thema eines Arbeitskreistreffens wird deshalb die Betrachtung der orts- und regionaltypischen Baustruktur sein, um dadurch Empfehlungen für entsprechende Neu- oder Umgestaltungen ableiten zu können. Insbesondere stellt sich die Aufgabe, die ehemals landwirtschaftlich genutzten und heute oft leerstehenden oder zumindest untergenutzten Gebäude zusammenzustellen. Antworten sollen auf die Fragen gesucht werden, ob das charakteristische Ortsbild ohne diese Gebäude auch zukünftig erhalten bleibt oder ob evtl. Ideen für eine (rentierliche) Nutzung bzw. Umnutzung gefunden werden können.

Private Maßnahmen werden pauschal mit 30 % der zuwendungsfähigen Kosten bezuschusst und beziehen sich quasi auf die von Außen sichtbaren Bereiche an Gebäuden, die etwa bis 1950 errichtet wurden und zumindest im Kern einen landwirtschaftlichen Bezug gehabt haben müssen. Einfriedung, Begrünung, Fassade, Fenster und Türen, Dach, Dachentwässerung, Schornsteinkopf und Gauben können gefördert werden. Innen können sich Maßnahmen auf konstruktiv notwendige Erneuerungen beziehen (z.B. Deckenbalken, Stützbalken usw.) und auf die Dämmebene incl. innenseitiger Wandabschluss (z.B. Fermacellplatten oder Innenputz).

Mit dem Einsatz der Fördergelder verbindet sich die Maßgabe, regionaltypische Materialien einzusetzen und zudem das Baubild des entsprechenden Gebäudes zu seiner Entstehungszeit aufzugreifen. Einfriedungen können aus senkrechten Holzlatten- bzw. Staketzäunen, lebenden Hecken oder aus Naturstein oder Klinkermauerwerk bestehen. Fenster und Türen sind danach aus einheimischen Holzarten zu fertigen und sollten eine konstruktive Teilung aufweisen. Die Fassaden aus Sicht- bzw. Eichenfachwerk oder aus Sichtmauerwerk sollten aufgrund ihrer Zierelemente erhalten bleiben. Bei Dacherneuerungen sollte die naturrote Tonpfanne in Form der klassischen Hohlpfanne oder in der modernen Interpretation als Hohlfalzziegel zum Einsatz kommen.

Lediglich bei Gebäuden, die nachweislich keine Tonziegel aufwiesen (z.B. Reet- oder Schiefereindeckungen oder anthrazitfarbene Betonsteine) oder die aus statischen Gründen keine schweren Dacheindeckungen zu tragen vermögen, können alternative Eindeckungen zum Einsatz kommen. Insbesondere bei landwirtschaftlichen Gebäuden stellt sich oft die Frage nach entsprechenden Möglichkeiten: Hier können gewellte Faserzementplatten (5-er Welle), Bitumenschweißbahnen, Stehfalzbleche oder Stahlblechprofile in Form der klassischen Siegener Pfannenbleche, der Fischer Pfannenbleche sowie die Produkte der Hersteller Laukien 45-333, Siegmetall 40-333, Arcelor 39-333 oder DS-Pfannenprofil jeweils in der Farbe rotbraun (RAL 8012) genannt werden.

Grundsätzlich können für jedes einzelne Gebäude max. 25.000 Euro als Fördersumme beantragt werden; das entspricht einer Gesamtinvestition von etwa 84.000 Euro an förderfähigen (s.o.) Kosten. Das beantragen der Förderung kann entweder in einem gebündelten Antrag oder aber in mehreren aufeinanderfolgenden Anträgen erfolgen, um die Maßnahmen entsprechend den eigenen zur Verfügung stehenden Mittel zu realisieren. Dabei ist aber zu beachten, dass jeweils eine Mindestfördersumme von 2.500 Euro beantragt wird, was wiederum eine Investition von mindestens 8.400 Euro an förderfähigen Kosten voraussetzt. Die Realisierung einer Maßnahme kann übrigens auch in (teilweiser) Eigenleistung erfolgen, wobei aber lediglich die Material-, Entsorgungs- und evtl. anfallende Handwerkerleistungen förderfähig sind.

Für aktive landwirtschaftliche Haupterwerbsbetriebe bestehen noch weitergehende Förderungsmöglichkeiten, die sich auf Verbesserungen der betrieblichen Ablaufes beziehen können. Dazu gehören z.B. Hofbefestigungen oder auch die Veränderung von traditionellen oder auch die Förderfähigkeit von modernen Gebäuden, um sie besser für den Betrieb nutzen zu können. Auch Anbauten von Schleppdächern o.ä. kann gefördert werden, soweit eine Förderung nach dem Agrarinvestitionsförderungsgesetz (AFP; Landwirtschaftskammer) ausgeschlossen werden kann.

In den drei Orten wurden folgende öffentliche Bereiche angesprochen, die im Rahmen der weiteren Arbeitskreissitzungen detaillierter beplant werden sollen:

BARUM

1. Alte Dorfstraße
Belassung der Ortbetonfahrbahn; Neugestaltung des Straßenraumes; evtl. Einbeziehung der Vorfläche vom Gasthaus; mögliche Verlagerung des Wochenmarktes in diesen Straßenraum (?);Beachtung des landwirtschaftlichen Betriebes bzw. Gewährleistung des Verkehrs.

2. Zugang Barumer See
Aufwertung des südlichen Zugangs zum See unter Beachtung der anliegenden landwirtschaftlichen Nutzung und der traditionellen dörflichen Gestaltung.

3. Straßenraum Am See (K 1)
Geschwindigkeitssenkende Maßnahmen im Bereich des Ortseinganges; attraktive Gestaltung der Ortsdurchfahrt; Erneuerung von Abschnitten des Gehweges und der Straßenbeleuchtung.

4. Straßenraum Am Sportplatz
Teilbefestigung der Fläche vom Wochenmarkt, die gleichzeitig als Stellplatz für die Mitglieder Der Feuerwehr benutzt wird.

5. Feuerwehrgerätehaus
Erneuerung der Dacheindeckung (z.Z. Faserzementplatten).

6. Spiel- und Bolzplatz
Verbesserung der Einfassung bzw. Eingrünung, insbesondere zur K 12.

7. Gemeindebüro
Veränderung der Einfriedung (z.Z. Maschendraht mit Stacheldraht) und verstärkte Öffnung zum Straßenraum.

8. Straßenraum St.-Dionyser-Straße (K 12)
Geschwindigkeitssenkende Maßnahmen im Zuge der Ortsdurchfahrt; Anlage einer Überquerungshilfe

9. Wertstoffcontainerplatz
Gestalterische Aufwertung der Anordnung (auch Postkasten und Streugutcontainer); ergänzende Bepflanzung. 

10. Buswartehäuser
Ersatz der z.T. abgängigen Wartehäuser durch an das Ortsbild angepasste Konstruktionen, die gleichzeitig als attraktive Informationsbereiche dienen können.

11. Kreuzung K 1/ K 12 / Alte Dorfstraße
Umbildung des Knotenpunktes für eine verbesserte Verkehrssicherheit und für eine stärkere Einpassung in die dörfliche Gestaltung (u.a. durch eine Aufwertung der randlichen, z.T. privaten Bepflanzung).

12. Schützenheim und Schießstand
Erneuerung der Dacheindeckung und Anregung zur Neugestaltung des Vorplatzes; die vorgesehene Errichtung von Solar- bzw. Photovoltaikelementen auf der Dachfläche ist als technische Maßnahme im im Rahmen der Dorferneuerung nicht förderfähig.

13. Nordwestlicher Ortseingangsbereich
Verbesserung der Sicherheit insbesondere im Bereich der Bushaltestellen; deutlichere Reglementierung des haltenden Verkehrs vor der Gaststätte / dem Geschäft.

14. Kindergarten / Grundschule / Jugendtreff
Neugestaltung vom südlichen Zugang zur Schule; Neuordnung des Hauptzugangs von der Schulstraße; Erneuerung des früheren Sanitärgebäudes und Erweiterung durch einen überdachten Freisitz.

15. Errichtung einer Fußgängerbrücke
Anlage einer zusätzlichen Brücke über den Barumer Schöpfwerkskanal, insbesondere zur verbesserten Wegeführung für die Schulkinder. In den folgenden Wochen wird geprüft, ob über das Förderprogramm LEADER bereits in 2008 eine Realisierung erfolgen kann.

 

HORBURG

1. Straßenseitenraum Schulstraße
Schaffung eines überfahrbaren bzw. teilbefestigten Seitenraumes vor der Schule; Gewährleistung der Oberflächenwasserführung; Verdeutlichung der Einmündung in die Straße Zur Horburg; Überprüfung der Lage der Buswartestelle.

2. Straßenraum Zur Horburg
Erneuerung und Neugestaltung des gesamten Straßenraumes unter Berücksichtigung folgender Aspekte: Gewährleistung einer sicheren Fußwegeverbindung (insbesondere für die Kinder / Schüler); Schaffung von verkehrsberuhigenden Maßnahmen zur Vermeidung unangemessenen hoher Fahrgeschwindigkeiten; Betonung des nördlichen Ortseinganges, Gliederung und dörfliche Gestaltung des Straßenraumes durch die Verwendung von verschiedenen Materialien, die sich nach Oberflächenstruktur und Farben unterscheiden und wiederkehrend gleiche Elemente kennzeichnen; Betonung der Einmündungen und Kreuzungen mit den untergeordneten Stichstraßen; Berücksichtigung des schweren landwirtschaftlichen Verkehrs.

3. Straßenraum Im Winkel
Nachrangig zum Straßenraum Zur Horburg sollte dieser Straßenraum unter entsprechenden Kriterien beplant werden.

4. Gestaltung am Ehrenmal
Erneuerung der Zuwegungen (in wassergebundener Bauweise); veränderte, eher standortgerechte Bepflanzung in Abstimmung mit den anliegenden Grundstückseigentümern; evtl. Verbesserung der Ausstattung.

5. Anlage eines Wander- / Spazierweges
Anregung zur Anlage eines Wander- bzw. Spazierweges im Südwesten unmittelbar am Ortsrand als ergänzende Wegeführung.

6. Anregung Gewässerschutz
Anregung zur Sicherung der vorhandenen Altgewässer im Verlauf der Neetze bzw. Ilmenau als Feuchtbiotope.

 

ST. DIONYS

1. Dorfplatz
Neugestaltung des zentralen Dorfplatzes unter Berücksichtigung der vorhandenen Zufahrten zu den hinterliegenden Grundstücken; Befestigung in wassergebundener Form; Ausstattung mit Aufenthaltsmobiliar und mit Versorgungsleitungen.

2. Straßenraum Gotenweg
Erneuerung des Straßenraumes; Betonung vom Einmündungsbereich Frankenweg; Teilbefestigung des Seitenbereiches, der zum Ausweichen und zum Parken von Fahrzeugen überfahren wird.

3. Erneuerung der Bushaltestellen am Gotenweg
Neugestaltung der Bushaltestellen; Neuerrichtung eines Buswartehauses im östlichen Straßenrandbereich

4. Seitenraum Barbarossaweg
Teilbefestigung der Straßenseitenräume (in wassergebundener Bauweise) zur verbesserten Befahrung bzw. zur verbesserten Stellplatznutzung; Gewährleistung des Oberflächenwasserabflusses

5. Gestaltung vom Friedhofsvorplatz
Gliederung und teilweise Befestigung (wassergebunden?) der als Stellplatz benötigten Vorfläche am Friedhof.

6. Gestaltung vom Friedhof
Erneuerung von Wegen auf dem Gelände; Rücknahme der untypischen Koniferenbepflanzung und ergänzende standortgerechte Bepflanzung; Erneuerung der südwärtigen Einfriedung und Zuwegung. 

7. Straßenraum Karl der Große – Straße (K 12)
Einbau von ergänzenden verkehrsberuhigenden Maßnahmen; Umgestaltung der Einmündung vom Widukindweg; Gestaltung vom Vorplatz südlich der Gaststätte.

8. Straßenraum Heinrich der Löwe – Straße
Erneuerung der abgängigen Fahrbahnbefestigung und der Zuwegungen zu den privaten Grundstücken.

Die nächsten Treffen der Arbeitskreise finden statt am:

Arbeitskreis Barum und St. Dionys

Mittwoch, 05.03.2008, um 19.00 Uhr in der Gaststätte Flindt

Arbeitskreis Horburg

Donnerstag, 06.03.2008, um 19.00 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Horburg

 

Themen:
Bestandsaufnahme zu aktuellen bzw. früher vorhandenen Betrieben, Geschäften oder Dienstleistungen in den Orten; dorfgemeinschaftliche Einrichtungen und Treffpunkte; erste Ansätze für Maßnahmen in den Orten

Sofern alte Chroniken oder Photos mit alten Ansichten vorhanden sind, bitten wir sie, diese mitzubringen oder evtl. uns auszuleihen.

 

Bad Bevensen, 14.02.2008
Volker Warnecke