6. Spiel, Bewegung, Leben und Lernen in unserem Kindergarten

6.1. Angebotscharakter unserer Räumlichkeiten

Unser Kindergarten hat, statt einzelner kleiner Bereiche, großzügig gestaltete Funktionsbereiche.

Bauraum

In diesem Raum befinden sich verschiedene Baumaterialien um auch großräumige Bauerlebnisse zu erfahren. Mathematische und physikalische Gesetze können die Kinder erlernen und erleben. Materialkunde und Statik wird erprobt. Ein Leuchttisch läd zum experimentieren ein.

Rollenspielraum

Hier finden die Kinder eine Kinderküche, eine Hochebene mit wandelndem Angebot ( Dino Ecke, Leseecke, Theater), eine Ruheecke mit Puzzeln, Büchern und Brettspielen sowie Möglichkeiten zur Handarbeit vor. Des weiteren befindet sich in diesem Raum ein Rollenspielbereich mit variabler Ausstattung , z.B. Kinderbüro  (möglich wäre auch Krankenhaus, Friseursalon etc.) und eine Verkleideecke. Eine Bühne steht für kleine Theateraufführungen zur Verfügung.

Kinderrestaurant

Die Kinder und Betreuerinnen haben hier die Möglichkeit, gemeinsam Frühstück und die Mittagsmahlzeit in einem ruhigen Rahmen einzunehmen. Zwischen den Mahlzeiten wird der Raum zum Küche spielen und für Angebote, hauptsächlich zum Thema Ernährung, genutzt.

 

Das Material der vorgenannten Räume hat seine festen Plätze und ist immer dort zu finden. Es ist wichtig, eine „gewisse“ Ordnung einzuhalten, denn nur Ordnung schafft Übersicht. Es ist klar zu erkennen, welche Funktion die einzelnen Räume haben.  Dadurch ist für  die Kinder eine Struktur zu erkennen. Es ist für sie klar, wo was stattfindet, und es fällt ihnen leichter, nach dem Spielen wieder die „gewisse“ Ordnung  herzustellen. Nur so haben die Räume für die Kinder einen Aufforderungscharakter, die Kinder können aktiv werden, und die Räume für sich nutzen.

Bewegungsraum

Um den Kindern die Möglichkeit zu geben, grundlegende Bewegungs-und Materialerfahrung auf großem Raum zu machen, steht ein Bewegungsraum zur Verfügung. Hier finden die Kinder Turnbänke, eine Sprossenwand, eine Hängematte, Turnmatten, Tücher und Decken, Bälle, große Schaumstoffbausteine in verschiedenen Formen u.ä. vor. Aus den Materialien können „ Bewegungsbaustellen“ entstehen, Höhlen oder Hindernisparcours  gebaut werden. Das Material im Bewegungsraum ist, sofern es nicht  „verbaut“ worden ist, sichtbar für die Kinder in einer Ecke des Raumes gestapelt und sortiert. Ein Teil befindet sich in einem Abstellraum, der bei Bedarf geöffnet wird.

Weitere Werkstatträume: Atelier, Schreibwerkstatt, Mathewerkstatt, Holzwerkstatt

6.2 Das Freispiel 

Am Anfang steht das Spiel

Das – freie – Spiel stellt eine grundlegende Bedingung für die intellektuelle, emotionale und soziale Entwicklung des Kindes da. Frei heißt: Das Kind bestimmt die Art der Tätigkeit, den Spielpartner, den Ort und die Dauer des Spiels.

Spiel ist:
- die Auseinandersetzung des Kindes mit sich selbst
- die Aneignung der Umwelt durch ausprobierendes Handeln
- der nicht zweckgebundene Umgang mit Materialien zum Kennenlernen ihrer Beschaffenheit und Funktion
- eine Möglichkeit, sich selbst in Beziehung zu den Dingen und Menschen zu setzen, um mit ihnen umgehen zu können.

Freiwilligkeit ist eine notwendige Bedingung für lustvolles, motiviertes und damit auch konzentriertes Lernen.

Intelligenz entfaltet ein Kind vor allem durch Wahrnehmen, Bewegen, Handeln und Spielen in Verbindung mit einer ihm gewährten Umwelterkundung. „ Je vielfältiger Kindern Handlungserfahrungen ermöglicht werden, um so größer wird ihr intellektueller Spielraum, ihre kreativen und phantasievollen Handlungsmöglichkeiten“ oder mit anderen Worten:  „Denken ist verinnerlichtes Handeln“.
(Offener Kindergarten konkret; Hrsg.: Regel/Wieland; ebv Rissen;S.103)

Freiräume und Grenzen

Jeder Mensch mit seinen eigenen Bedürfnissen, Hoffnungen und Wünschen  trifft auf andere Personen mit anderen Bedürfnissen, Hoffnungen und Wünschen. Oft stehen diese  im Widerspruch zueinander. Wenn der eine seine Wünsche erfüllt, geht das nur auf Kosten eines anderen. Sein ganzes Leben lang ist der Mensch ständig am Aushandeln seiner Wünsche mit anderen. Das setzt ihm Grenzen. Doch innerhalb dieser Grenzen empfindet er auch Sicherheit.
Auch Kinder suchen Grenzen und Regeln. Immer wieder versuchen sie, die Grenzen zu überschreiten. Es ist wichtig ihnen Grenzen zu setzen, durchzuhalten, aber manchmal auch zu öffnen.

Im Umgang mit Menschen gibt es keine Patentrezepte. Wir wollen beobachten, in Kontakt kommen und Erfahrungen ermöglichen. Wir wollen voneinander und miteinander unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität, Glauben lernen.

In unserem Kindergartenalltag dominiert das freie Spiel absolut. Dies bedeutet für uns eine hohe Wertschätzung des Kindes und seiner Aktivitäten.

Hier einige , für uns wichtige Thesen zum freien Spiel ( aus: Erlebnisorientiertes Lernen im offenen Kindergarten; Kuhne/Regel; ebv Rissen, 1966 )

- das Spiel ist der Name für einen Zusammenhang ( Kontext ) und nicht für eine spezifische Handlungsform. Es ist die Mitteilung des Kindes über sich als Person, eine Meta-Mitteilung. So ist eine Spielaktion seine Art der Interaktion mit der natürliche, sozialen und im weitesten Sinne kulturellen Umwelt. Das Kind organisiert seine Handlung auf besondere Art und bringt eine eigene Realität hervor. Deshalb bedeutet die wohlwollende Akzeptanz seines Ausdrucks im Spiel durch den Erwachsenen eine Stärkung des Selbstwertgefühls. Das Kind erfährt, daß es etwas kann, etwas wert ist, okay ist.

- In jedem Spiel begründet das Kind immer neue und neuartige Beziehungsmustern zu irgendwelchen Gegebenheiten seiner Umwelt. So ist das Spiel seine Erfindung und der Ablauf als Abfolge von Handlungen mit Elementen des Kreativen und Unerwarteten versehen .Das Kind geht im Spiel offen in Beziehungen und wendet in freier und unbekümmerter Weise seine verfügbaren Muster des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens, Wollens, Bewertens und Handelns an. Das Kind drängt mit dem bisher Gelernten zur Bestätigung. Es zeigt sich ganzheitlich und bringt sich zum Ausdruck. Es paßt die Umwelt seinen Fähigkeiten und Vorstellungen, Bedürfnissen und Wünschen, Ideen und Gefühlen oder mit den Spielpartnern vereinbarten Regeln an.

- Das Spiel ist ein besonderes Aktivitätssystem. Es unterscheidet sich von anderen Tätigkeitsfeldern. Dies lernt das Kind zu unterscheiden. Es erfährt dann und nimmt zur Kenntnis, daß Spielen nicht bei jeder Gelegenheit möglich ist.

In den offenen Beziehungen zu den Mitspielern, Spielmaterialien und Spielinhalten entdecken und produzieren die Kinder immer neue Interaktionsmuster. „Dieses Lernen ist nicht nur selbstmotiviert, sondern selbstbestimmt und in seinem Ablauf selbstgesteuert und beruht auf Selbstbestätigung im Kontext; es ist nicht durch Verstärkung von außen her beeinflußbar.“

- Im Spiel dominieren die Ich-Prozesse über die Erkenntnisprozesse. Spielen ermöglicht den Kindern Selbstverwirklichung. Es verändern sich dadurch die inneren Strukturen, in denen das Kind sein Denken, Fühlen, Wollen und Handeln organisiert.

Weil die Kinder sich im Spiel von ihren unbewußten Trieben und Bedürfnissen, Gefühlen und Wünschen leiten lassen, erfahren sie sich selbst und werden sich ihrer selbst bewußt. Sie können in Verbindung mit ihren Erfahrungen ein Bild von sich konstruieren und daran immer weiter bauen. Kinder finden Möglichkeiten, um das Spiel in den Dienst ihrer Selbstverwirklichung zu stellen. Sie finden die richtigen Spiele, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen, sich bestimmte Gefühlserlebnisse zu verschaffen, innere Konflikte zu bearbeiten oder Wünsche zu erfüllen. Sie benutzen die Spiele auch, als hervorragendes symbolisches Ausdrucksmittel, um anderen ihre Sorgen und Freuden, Hoffnungen und Ängste mitzuteilen.

Das Spiel ist die ursprünglichste und eine zur Entwicklung notwendige Lebensform des Kindes. Unser Kindergarten bietet viele Möglichkeiten zum spontanen, freien und kreativen Spiel. Wir Erzieher sehen das Freispiel als eine Herausforderung; wir versuchen im Hintergrund „präsent“ zu bleiben  und wahrzunehmen, wo Interessen und Bedürfnisse der Kinder liegen. Durch  Beobachtung gelingt es uns herauszufinden, ob der Raum, in dem die Kinder sich bewegen noch interessant und herausfordernd genug ist, um kreatives Tun zu fördern. „Botschaften“ der Kinder zur Veränderung des Raumes versuchen wir wahrzunehmen, um neue oder veränderte Spielräume zu schaffen. Z.B. die Kinder beschäftigen sich im Rollenspiel mit der Schule. Wir eröffnen Möglichkeiten, um gemeinsam mit den Kindern eine „Schule  einzurichten“. Wir stellen dafür Material zur Verfügung, z.B. Tafel, Schulranzen, Bänke usw. und unterstützen die Kinder, wenn sie unsere Hilfe anfordern.

Freies Spiel hilft die Ziele unserer pädagogischen Arbeit zu verwirklichen.

Beispiel Rollenspiel Schule:

Die Kinder möchten Schule spielen, sie überlegen: Was brauchen wir dazu, wo bekommen wir die Dinge (Schulranzen, Bänke, Tafel etc.) her. Kreativität und Phantasie werden gefördert, Eigenständigkeit entwickelt. Wer hilft und spielt mit, wer ist der Lehrer, wer sind die Schüler. Die Kinder müssen Absprachen treffen, das Sozialverhalten wird gefördert. Die Kinder müssen überlegen und ausprobieren, ob sie Tische und Stühle selbst transportieren können. Eigene Grenzen, auch körperliche werden erfahren, Förderung der Motorik und Sinneswahrnehmung.

Weil die Kinder das Thema „ Schule“ im Moment so sehr interessiert, besuchen wir die Grundschule in Barum und schauen uns dort alles an. Das eigene Umfeld wird erforscht.

Wird die „ Schule“ z.B.: im Flur aufgebaut, müssen sich die Kinder an gemeinsam aufgestellte Regeln halten, z.B. nicht toben, nicht die Garderoben leerräumen oder Sachen verstecken, man muß hinterher aufräumen.

6.3. Das kindliche Grundbedürfnis nach Bewegung und Sinnesempfindungen

Die heutige Situation der Kinder

Ein großer Teil der Kinder wächst heute unter Bewegungsmangel auf. Ursachen dafür sind z.B.

- die Kinder werden aus Zeitmangel meist mit dem Auto von einer Aktivität zur nächsten gefahren
-  Sitzen vor dem Fernseher oder Computer
- selbständige Ausflüge in die  Umgebung ( Wald,Feld und Wiese) können von Eltern nicht mehr bedenkenlos erlaubt werden
- spielen mit bewegungsarmem elektrischen Spielzeug

Das Resultat sind rastlose ,unruhige oder bewegungsscheue Kinder.

In unserem Kindergarten versuchen wir zunehmend dafür zu sorgen, daß sich die Kinder viel bewegen können, ohne daß die Räume in zuviel Unruhe geraten. So dürfen die Kinder auf den Fluren, im Bewegungsraum und auf dem Freigelände mit Aufsicht in größeren Gruppen und ohne Aufsicht in kleinen Gruppen ihr Bewegungsbedürfnis ausleben. Großräumiges Bauen von Höhlen, Werken mit Sägen, Hammer und Nägeln und bewegungsreiche Rollenspiele (z.B.: Pferd spielen), versuchen wir weitgehend zu ermöglichen. Wir stellen entsprechendes Material dafür zur Verfügung.

Unser Außengelände ist sehr großzügig und bietet sich durch Hügel, Büsche, Kletterbäume, Hütten und Verstecke zum Bewegen an. Wir haben eine Matschsandkiste mit einer Wasserpumpe, die den Kindern den ständigen Umgang mit Wasser und Sand ermöglicht.

„ Denn Kinder müssen fassen und greifen, um zu erfassen und zu begreifen. Sie nehmen mit dem ganzen Körper wahr. Kinder umrunden Gegenstände, um sie von allen Seiten zu betrachten und anzufassen, sie betrachten im Liegen, sie stoßen , werfen, schieben, rollen Gegenstände  und bewegen sich selbst in allen möglichen Formen, um sich selbst in der Welt zu erfassen. Eine schiefe Ebene muß beispielsweise vom ganzen Körper erprobt werden, um ihre Wirkung zu erkennen. Ein Gefährt muß zunächst geschoben und gezogen werden, bevor es über Knopfdruck zum Fahren gebracht wird“.( Quelle: Entdeckungskiste Juli/August 1989)

Hier werden Zusammenhänge zwischen Krafteinsatz, körperlicher Bewegung und geistigen Fähigkeiten deutlich.
Das Wort „ verstehen“ hat nicht zufällig mit „ stehen“ zu tun. Und der „Standort“ macht aus, wie wir etwas verstehen. Ein Kind muß seine Anstrengungen, seinen Kraftaufwand in einen Bezug zum Ereignis setzen können, damit es eine reale Einschätzung seiner Leistungsfähigkeit entwickelt und damit es Optimismus hinsichtlich seines Einsatzes erreicht.


Unsere pädagogischen Ziele in Bezug auf Bewegung

1. Bewegung macht Sinneswahrnehmungen (am Beispiel des größten Sinnesorgans der Haut (1-2 qm groß) in der Matschsandkiste)

Sand und Wasser sind z.B. warm, kalt, matschig, naß, glitschig, rauh, weich usw. Es kostet Kraft, Wasser zu pumpen und nassen Boden zu bewegen. Sind die Hände oder der Körper schmutzig, muß man sich waschen gehen. Somit fördern Sinneswahrnehmungen erneut Bewegung.

2. Bewegung und Sinneswahrnehmungen fördern und erweitern das Sozialverhalten

Im Spiel wird Kommunikation notwendig, wenn z.B. mehrere Kinder an einem Projekt (z.B. Fluss oder Staudamm) arbeiten. Die Kinder müssen sich absprechen und sich gegenseitig helfen ,damit das Projekt gelingt.

Kreativität und Phantasie werden gefördert.

Bewegung macht fröhlich. Kindliche Freude äußert sich in Bewegung. Bewegung schafft die  Grundlage für`s Lernen. Nur wenn die Kinder ausprobieren und aus Fehlern lernen können und erneute Versuche starten, um an das geplante Ziel zu kommen, verinnerlichen sie Zusammenhänge richtig.

Als Betreuer sehen wir unsere Aufgabe darin, Kinder zur Bewegung zu ermutigen, Ideen und Bedürfnisse der Kinder zuerkennen, Material zur Durchführung zur Verfügung zu stellen. Sowie immer neue Bewegungsräume und Möglichkeiten zu schaffen.

- Regeln und Grenzen mit den Kindern gemeinsam zu erarbeiten, durchzuhalten, manchmal auch zu öffnen.
- Wahrnehmungen in allen Bereichen zu ermöglichen
- Selbständigkeit und Verantwortungsgefühl durch Schaffung von Freiräumen zu fördern

3. Durch Bewegung zur Schulfähigkeit

Nicht der Schulbeginn ist die „ Stunde Null“ im Hinblick auf den Erwerb des mathematischen Denkens oder des Schriftsprachgebrauchs
( S.30  Barth,K.: „ Schulfähigkeit“).
Die Fähigkeiten, die zum Erwerb des Lesen , Schreibens und Rechnens notwendig sind, wie zum Beispiel die Fähigkeit, sich etwas zu merken, etwas sprachlich zu verstehen und auszudrücken, Symbole ( z.B. Straßenschilder) zu interpretieren und zu verwenden, sich  Handlungen gedanklich vorzustellen ( z.B. etwas mit Lego bauen) und zu Planen, entwickelt und benutzt das Kind lange vor der Einschulung. Es zeigt dies Fähigkeiten und Fertigkeiten in einer Vielzahl von Situationen und Spielen im Kindergarten oder Zuhause. Dort liegen sie im Alltagshandeln  versteckt, in wiederkehrenden Situationen, in denen die Kinder ihre Stärken und Schwächen offenbaren.

Die Entwicklung der Motorik, der Sprache, des Gedächtnisses, das Spielverhalten,  Körperempfinden, Konzentration und Ausdauer, Gefühlen und Selbstvertrauen und der Erwerb des Lesens, Rechnens und Rechtschreibens hängen mit einer intakten Wahrnehmung und Verarbeitung von Sinneseindrücken zusammen.

Durch vielfältige Bewegungs-und Wahrnehmungsangebote versuchen wir die Grundlage für „ schulische Lernprozesse“ zu schaffen, denn Grundlage für alle Lernprozesse ist eine intakte Wahrnehmung und Verarbeitung von Sinneseindrücken.

6.4. Aktivität - Bewegung / Ruhe-Entspannung

Entspannung und Stressabbau bei Kindern sind Dinge, die in der täglichen, pädagogischen Arbeit von großer Bedeutung sind. Hierfür ist der Wechsel von den Komponenten Lärm, Bewegung und Stille, Entspannung besonders relevant und gehört zu einer kindangemessenen Tagesablaufgestaltung.

Lärm machen bedeutet Bewegung, Stille verlangt körperliche Ruhe. Erst die Kombination dieser Gegensätze schafft die ideale Voraussetzung für das Kind, sich wirklich vom Stress und dem dadurch bedingten Unwohlsein zu befreien. Ruhe und Stress erleben zu können, ist notwendig, um Konzentration zu üben, die eigene, innere Mitte zu finden und um die Qualität des Lernens zu verbessern sowie Energie für sein Tun zu tanken. Um Ruhe und Stille erleben zu können, braucht man Zeit, muß man sich selbst Zeit nehmen und Kindern Zeit lassen.

In unserem Kindergarten möchten wir den Kindern die Möglichkeit  anbieten, sich zurückzuziehen, sich zu beruhigen, innezuhalten, abzuschalten, zu träumen und mal „mit sich allein zu sein“. Dafür haben wir Rückzugsorte eingerichtet. 

 Angebote  wie z.B. Traumreisen, Stilleübungen mit unterschiedlichen Materialien und Zielsetzungen, z.B. Sinnesübungen, Übungen zur Entspannung, zur Einführung von Regeln sowie thematischen Übungen zu Bildbetrachtungen, Gedichten, Märchen usw. Ferner werden entspannende Massagen z.B. mit dem Igel-Ball, Tennisball, Schwamm, Federn sowie mit Fingern und Händen gemacht. Das Malen nach Musik oder das Ausmalen von Mandalas sei auch noch erwähnt.

Nicht nur in den Räumlichkeiten können die Kindern wieder „Aufmerksamkeit lernen“, sondern auch in der freien Natur. Bei Wald- und  Naturtagen haben die Kinder die Möglichkeit, wieder aufmerksam zu werden für die stillen Vorgänge des Lebens um sie herum und in sich selbst wie z.B. das sanfte Rauschen des Regens, den milden Sonnenstrahl oder aber das zarte Krabbeln eines Käfers über den Handrücken.

Stille und Entspannung ist keine Disziplinierungstechnik, sondern soll eine ausgleichende Funktion besitzen und soll von den Kindern als schön und angenehm empfunden werden und ist immer freiwillig.

6.5 .Das Frühstück

Die Kinder dürfen in unserem Kindergarten von 8.00 Uhr bis ca.10.00 Uhr  frühstücken. Sie können etwas zum Essen von Zuhause mitbringen. Wir versuchen die Kinder zur gesunden Ernährung anzuhalten. Getränke werden an allen Tagen vom Kindergarten gestellt. Einmal in der Woche bereiten wir mit den Kindern gemeinsam ein Frühstück zu. 

Das Frühstück findet im „Kinderrestaurant“ statt. Den Zeitpunkt ihres zweiten Frühstücks im Kindergarten, können die Kinder im gestellten Zeitraum selber bestimmen. Um ca. 9.30 Uhr erinnern wir die Kinder noch mal daran, daß sie frühstücken dürfen.

Die Form des Frühstücks unter Berücksichtigung unserer pädagogischen Ziele

Die Individualität der Kinder wird anerkannt, indem sie den Zeitpunkt des Frühstückens selber bestimmen dürfen. Eigenständigkeit wird entwickelt, wenn sie selbst ihr Geschirr besorgen müssen, ihr Brötchen schmieren, das Geschirr in den Geschirrspüler stellen und den Platz abwischen müssen. Regeln und Grenzen müssen eingehalten werden, man muß im Frühstücksbereich essen, am Tisch sitzen, wieder aufräumen usw. Die Individualität der Kinder erkennen wir an, da sie ihr Eßtempo selber bestimmen können. Selbstvertrauen wird gestärkt, indem wir die Kinder eigenverantwortlich und selbständig frühstücken lassen. Wir versuchen eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen.

6.6. Der Singkreis

Nach dem Aufräumen , um ca. 11.15 Uhr finden sich interessierte Kinder im Bewegungsraum zum Singkreis zusammen. Dieser steht allen Kindern offen! Es werden Lieder gesungen, Finger- oder Singspiele gemacht. Außerdem werden Regeln, zeitliche Abläufe und Gestaltungsideen mit den Kindern abgesprochen. Es besteht die Möglichkeit, daß alle Kinder  ihre Anregungen, Fragen und Ansichten ansprechen, auch um Konflikte aufzudecken. 

6.7. Die Angebote

Das Angebot ist die Eröffnung neuen Lernens durch Anleitung, Begleitung und Vorbild der Erzieherin. Danach müssen Zeit, Raum und Materialien von der Erzieherin organisiert werden, um den Kindern Wiederholungen des Gelernten zu ermöglichen. Ein Angebot muß demnach methodisch so aufgebaut werden, daß die Kinder darin tätig werden und somit Selbständigkeit erlangen können. Sie sollten im Angebot den Umgang mit Material, Werkzeugen oder dem Thema so weit erlernen, daß sie im Freispiel anschließend ohne Begleitung der Erwachsenen ihre Erfahrungen wiederholen, vertiefen und spielerisch weiterentwickeln können. ( aus: M. Förster, Die Beziehung zwischen Freispiel und Angebot, S.241, in : Regel/Wieland, Offener Kindergarten konkret, ebv Rissen Hamburg 1993)

6.7.1. Der Computer im Kindergarten 

Der Kindercomputer in der Schreibecke, ist ein Angebot neben vielen anderen in unserem Kindergarten. Er hat für die Kinder keinen deutlich höheren  Stellenwert als die anderen Angebotsalternativen. Der besondere Reiz des Computers, wird bei uns durch seine ständige Verfügbarkeit genommen.
Computer gehören zur aktuellen Lebenswelt der Kinder. Wir meinen, dass der selbstverständliche und sinnvolle Umgang mit diesem Medium schon im Kindergartenalter geübt werden sollte.
Die meisten Kinder bringen bereits Kenntnisse aus dem Elternhaus mit. Der Unterschied der Nutzung bei uns, liegt nun darin, dass die Kinder nicht alleine (vereinsamt) und unkommunikativ dieses Medium nutzen, sondern das sich immer Kindergruppen beim PC finden die ihn gemeinsam nutzen. Die Beschäftigung der Kinder ist dann sehr kommunikativ, weil sie einander Vorschläge machen, sich gegenseitig helfen und anspornen. Den Kindern  macht besonders dieses gemeinschaftliche Erlebnis viel Spaß.
Für die Lösung von Konflikten (z.B. das Abwechseln am PC) werden von den Kindern bestimmte Regeln akzeptiert. Das Abwechseln der Spieler mit Hilfe einer Uhr funktioniert unproblematisch. Die Kinder achten selber genau auf das Einhalten der aufgestellten Regeln.
Überwiegend nutzen die Kinder ein Schreib -und Malprogramm.
Wenn Software  zum Einsatz kommt, wird sie von uns sorgfältig ausgewählt. Wir achten darauf, dass neben gezielten Lernprogrammen und Wissensvermittlung die Inhalte gewaltfrei sind. 

6.7.2. Die Werkstatt

Unsere Werkstatt befindet sich in einem Schuppen auf dem Außengelände.
Zur Verfügung stehen 6 Arbeitsplätze an 2 Werkbänken. Für alle Arbeitsplätze sind Hammer, Sägen, Feilen, Raspeln, Bohrer... in ausreichender Anzahl vorhanden.
Die Kinder können über das Werkzeug und über die verschiedensten Baumaterialien eigenständig aber auch eigenverantwortlich verfügen.
Alles hat seinen Platz und es gibt feste Regeln, die eingehalten werden müssen.
In diesen Funktionsbereichen finden die Kinder die Möglichkeit und die Freiheit für eigene Ausdrucksformen. Sie entwickeln Eigeninitiative und Fantasie, verfolgen ihre Ideen allein oder im Team, finden eigene Wege und Lösungen, werden kreativ und erfinderisch. Es werden verschiedene Kompetenzbereiche angesprochen:
Sachkompetenz „Was kann ich“
Selbstkompetenz „Wie mach ich`s“
Sozialkompetenz „Ich und meine Mitarbeiter“
In der Regel ist eine Erzieherin bei den Kindern in der Werkstatt , die die Arbeit der Kinder begleitet. „Begleiten“ heißt, die Kinder nach ihren Vorstellungen und Fähigkeiten und nach ihrem Tempo ihre Arbeit umsetzen zu lassen. Die Erzieherin ist beratend und unterstützend tätig.
Die Kinder lernen die Beschaffenheit der verschiedenen Baustoffe kennen und die Anwendungsmöglichkeiten der unterschiedlichen Werkzeuge.
Sie sehen, was ein rechter Winkel ist.
Sie erleben, dass sich große Projekte oft besser  im Team realisieren lassen.
Sie lernen, mit Gefahren umzugehen.
Sie lernen reparieren und erhalten ist besser als wegwerfen und neu kaufen.
In diesem Funktionsbereich können die Kinder an die Welt der Technik herangeführt werden.
Kinder, die eine gewisse Sach- und Sozialkompetenz haben, können ein „Werkstattdiplom“ ablegen und dürfen dann nach Absprache auch ohne Erzieherin die Werkstatt benutzen. 

6.7.3.   Angebote als Entwicklungsförderung

Um die Kinder in ihrer Selbstständigkeit zu fördern, müssen wir  sie fordern, d.h. sie mit neuen Materialien bekanntmachen, ihnen Techniken vermitteln, damit sie mit den Materialien unterschiedlich spielen können. Wir tragen Spielideen an sie heran, die ihre Möglichkeiten in Rollen- oder Bewegungsspielen erweitern. Wir schaffen Hindernisse ( z.B. im Bewegungsbereich durch Hindernisparcours), die es zu überwinden gilt, und die später nachgeahmt werden können. Wir machen Gruppenspiele, welche die Kinder später eigenverantwortlich übernehmen und ggf. auch verändern können. Wir geben so vielfältige Impulse, um die Handlungsmöglichkeiten der Kinder zu erweitern. Täglich finden mehrere Angebote im Kindergarten statt.

6.7.4. Themenbezogenes Angebot

Ein themenbezogenes Angebot entsteht aus einem aktuellen Anlaß oder einer Spielsituation heraus. z.B. Kinder berichten über ein Ereignis ( z.B.: Angst in der Nacht, ein Haus hat gebrannt, ein Krankenhausaufenthalt etc.). Die Erzieher greifen den aktuellen Anlaß auf und überlegen gemeinsam:

- was wissen die Kinder über das Thema
- wo liegen die Interessen
- welche pädagogischen Angebote können zu dem Thema gemacht werden ( Projekte, Spiele, Exkursionen, Bilderbuchbetrachtungen, Gespräche, Bastelarbeiten)
- welche Materialien können wir einbeziehen, z.B.: Bilder, Filme usw.

Die Umsetzung der Angebote ist flexibel, und die Kinder sind meist an Planung und Durchführung beteiligt. Angebote können in Projektform über Tage, Wochen oder noch längere Zeiträume laufen. Es gibt aber auch Angebote, die an einem Tag abgeschlossen sind.

6.7.5. Im Wochenverlauf immer wiederkehrende Angebote

Wir haben im Laufe der Kindergartenwochen einige feste Angebote:

a) Turn- und Bewegungstag
Einmal wöchentlich findet ein angeleitetes Angebot in der benachbarten Turnhalle statt. In  Gruppen dürfen die gleichaltrigen Kinder „turnen“ oder wir nutzen den Tag um z.B. bei gutem Wetter zu wandern, Bewegungsspiele draußen zu spielen oder auch mal planschen gehen 

b) Müsli-oder Frühstückstag
Hier sind die Kinder am Zubereiten eines Frühstücks beteiligt. Gelegentlich wird an diesen Tagen auch gemeinsam gekocht.

c) Geburtstagsfeiern
Circa 68 mal im Jahr feiern wir Geburtstag. Auch dieses Angebot ist fester Bestandteil unseres Kindergartenalltags. An diesem für das Geburtstagskind besonderen Tag, versuchen wir das Geburtstagskind in den Mittelpunkt des Tagesablaufs zu stellen. Mit einem besonderen Ritual feiern wir im Stuhlkreis. Das Kind bekommt einen Geburtstagskranz und ein kleines Geschenk. Es darf sich ein Lied und ein Spiel wünschen und alle eingeladenen Kinder stellen in dieser Runde ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse einmal zurück. Auch an hektischen Tagen oder, wenn es der dritte Geburtstag in einer Woche ist, versuchen wir, das Einzigartige und Individuelle für das Geburtstagskind zu bewahren.

6.7.6.  Wiederkehrende Angebote

Hierzu gehören Gespräche und Bastelarbeiten zu den  Jahreszeiten, besonderen Festen wie: Weihnachten, Laternenumzug, Waldfest, Vater-Kind-Aktionen etc.

6.7.7. Angebote für schulpflichtige Kinder/ 6-er Club

Am Anfang sei gesagt: Wir sind ein „ Kindergarten“ und keine „Vorschule“. Was ist aber das Besondere am letzten Kindergartenjahr? Die Kinder sind jetzt selbständig, wollen eigene Ideen umsetzen und zeigen verstärkt Interesse an ihrer Umwelt und ihrem Lebensumfeld.

„ Sagst Du§´s mir, so vergesse ich es.
Zeigst Du`s mir, so merke ich es mir vielleicht.
Läßt Du mich teilhaben, so verstehe ich es.“

Chinesisches Sprichwort

Nach diesem Motto versuchen wir den Kindern Lebenszusammenhänge begreiflich zu machen. Angebote in unserem Kindergarten können von allen Kindern nach Interessen frei gewählt werden. Die Teilnahme an den Angeboten ist freiwillig.

Anders hingegen ist es im letzten Kindergartenjahr, für die schulpflichtigen Kinder. In diesem Jahr vor Schuleintritt bieten wir Projekte an, zu denen wir alle Schulpflichtigen gemeinsam heranziehen, um Themen mit den Kindern spielerisch zu erarbeiten.  Einmal in der Woche  machen wir dies in Zusammenarbeit mit der Grundschule. Themengebunden wird dann gebastelt und gemalt und, wo es möglich ist, werden Exkursionen gemacht ( z.B. zur Mülldeponie, ins Salzmuseum, zum Imker, zur Polizei usw.) , um eine lebensnahe Erfahrung zu ermöglichen.  Bei diesen Angeboten sind die schulpflichtigen Kinder sozusagen erstmalig zur Teilnahme „verpflichtet“, wobei wir in der Vergangenheit festgestellt haben, daß sie an solchen Aktionen immer sehr gerne und mit großer Begeisterung teilgenommen haben .

Es gibt für die sogenannten „Kann-Kinder“, die auf Wunsch der Eltern, verfrüht eingeschult werden, die Möglichkeit sie nach dem Einschulungstest durch Schule und Gesundheitsamt in die oben genannte Gruppe zu integrieren. Dies geschieht aber erst nach dem wir grünes Licht für den vorzeitigen Schulbesuch des Kann-Kindes von der Grundschule erhalten haben.

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