Flüchtlingsunterkunft in Marschacht und Bütlingen

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit dem 1. August 2015 bin ich ehrenamtlicher Flüchtlingsbeauftragter der Samtgemeinde Elbmarsch. Am Anfang standen wir, der Samtgemeindebürgermeister und ich, alleine vor einer großen Aufgabe. Eine Flüchtlingsunterkunft befand sich in Marschacht im Bau. Es wurden uns vom Landkreis 58 Flüchtlinge für den 1. Oktober avisiert. Meine Berufung wurde in den Printmedien verkündet. Ein erstes Gespräch mit der Kirchengemeinde geführt.

Nach einer Besichtigung des Internationalen Cafés in Winsen, geschaffen von der dortigen Kirchengemeinde, zeigte uns, wie Integration in ersten Schritten funktionieren kann. Das wichtigste war aber, wir haben gelernt, unseren neuen Nachbarn Vertrauen und Freundlichkeit entgegen zu bringen. Wie wir jetzt aus eigener Erfahrung wissen, war das richtig. Denn wir erfahren täglich wie uns das entgegen gebrachte Vertrauen und die Freundlichkeit zurückgegeben wird.

Das Wichtigste jedoch war, die Bevölkerung auf diesen Weg mitzunehmen. In mehreren öffentlichen Informationsveranstaltungen der Samtgemeinde wurde geschildert, welche Last uns der Landkreis aufbürdet. In teils heftigen Diskussionen, wo Ängste und Sorgen von Bewohnern kamen, wurde erklärt, geschildert und geschlichtet. Bei jeder folgenden Info-Veranstaltung beruhigte es sich. Es wurde in den Medien berichtet, wie Ehrenamtliche helfen und in welcher Form sich künftige Helfer einbringen können.

Meine Aufgabe war es, freiwillige Helfer zu finden. Nach sechs Wochen und einer Unzahl von Telefonaten hatte ich etwa 70 Helfer um mich geschart. Ein erstes Helfertreffen fand Mitte September statt. Wir gründeten mehre Arbeitsgruppen. Es entstand eine Deutsch-AG, eine Paten-AG, eine AG für besondere Projekte. Außerdem gründeten wir eine Kleiderkammer ohne einen Raum dafür zu haben. Die Kirchengemeinde hatte inzwischen beschlossen, ein Internationales Café in den Räumlichkeiten der Kirche in Marschacht zu gründen. Es ist offen für Flüchtlinge, Helfer und Besucher.

Heute sind wir ca. 150 ehrenamtliche Helfer. Es findet geregelter Deutschunterricht in zur Verfügung gestellten Räumen der Grundschule Marschacht statt. An fünf Tagen wird dort, in eingeteilten Gruppen und Stand der Bildung, die deutsche Sprache mit den besten Lehrmaterialien vermittelt. Die Paten sind begleitend zu Arzt-, Krankenhaus-, Behörden- und Ausflugsfahrten und sonstigen Hilfen dabei.

Die Kleiderkammer befindet sich in einem Doppelcontainer direkt vor dem Rathaus. Sie hat zeitgleich zum Internationalen Café immer samstags von 14-17 Uhr geöffnet. Beides wird in erheblichem Maße frequentiert.

Die Sportvereine der Samtgemeinde binden unsere Flüchtlinge in ihren Sportbetrieb mit ein. So gibt es inzwischen gemischte Fußballmannschaften die Freundschaftsspiele veranstalten. Es gibt Kricket-Spieler die im Training sind und auch Sporthallenzeiten haben wir zur Verfügung.

Es gibt viele Eigeninitiativen von Helfern. So wird gemeinsam in privaten Häusern gekocht, um ihnen unsere Esskultur und umgekehrt ihre uns zu zeigen. So geschehen z.B. am 2. Weihnachtsfeiertag, wo wir eine Feier gemeinsam mit über 50 Flüchtlingen im Sportlerheim in Marschacht hatten. Es gibt einen hervorragenden Schneider, der ebenso in einem privaten Haushalt arbeiten darf. Es werden eigenständig Ausflüge organisiert und vieles mehr.

Jetzt sind die ersten 66 Neubewohner in Bütlingen angekommen. Auch hier waren wir zur Begrüßung mit zahlreichen Helfern anwesend. Ein freundlicher Empfang, ihnen zu zeigen, dass sie in einem friedlichen Dorf angekommen sind und nicht alleine sind.Der geregelte Deutschunterricht wird in Bütlingen, in geeigneten Räumen, stattfinden. Er wird zeitnah beginnen. Ein organisierter Fahrdienst bringt und holt die Flüchtlinge nach Marschacht und ins Internationale Café.

Auch diese Neuankömmlinge werden in kürzester Zeit feststellen, dass wir ein friedliches Volk sind, auch wenn viele anders auftreten.

Wir in der Elbmarsch haben gelernt, dass unsere neuen Nachbarn keine Fremdkörper sind, sondern unserer Gemeinde eine unglaubliche Vielfalt geben. Dank hierfür gilt allen, die unterstützend waren. Wir haben eine Verwaltung, Bürgermeister, Politiker, Kirchenvorstände, Sportvereine, Schulen und Kindergärten, die alle an einem Strang ziehen, nämlich dem einer Willkommenskultur, die jeder rational und emotional verinnerlicht haben sollte.

Mit freundlichem Gruß

Norbert Debrodt

asyl.elb @lkharburg.de